Mittwoch, 1. November 2017

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Samhain, Samhuinn oder Halloween - Das Fest der Ahnen




Das allseits bekannte Fest Halloween, abgeleitet von All Hallow’s Eve, was so viel heisst wie der Abend vor Allerheiligen, kennt man heute vor allem wegen des kommerzialisierten Festes aus den Vereinigten Staaten. Man könnte meinen kaum einer kennt mehr die wahre Bedeutung dieses Festes, obschon seine ursprüngliche Tradition viel älter ist, als oftmals angenommen.

Halloween oder Oidhche Shamhna wie das Fest noch heute im Neuirischen heisst, wovon im Übrigen auch die neuheidnische Bezeichnung Samhain stammt, trägt seine Wurzeln in keltischer Kultur. Schon damals wurde dieser Zeit im Jahr eine ganz besondere Atmosphäre zugeschrieben, es war der Beginn der dunklen Jahreshälfte, in der die Tage schon spürbar kürzer und die Nächte länger wurden. Die letzten Monate, in denen sich das Leben meist draussen abgespielt hat, sind nun vorbei. An ihre Stelle tritt das innere Leben, die ruhige Zeit im Jahr – unser Blick richtet sich nach innen. Sein Gegenstück im Jahreskreis ist Beltane (Walpurgis) im Wonnemonat Mai, bei dem die erschaffende, fruchtbare und vitale Seite des Lebens gefeiert wird, doch dazu zu gegebener Zeit mehr.

Samhain hingegen zeigt uns die Vergängliche Seite, den Tod und das Unbekannte, vor dem wir uns gerne fürchten. Dennoch sollte dieses Totenfest nicht ausschliesslich als Trauerfest oder gar etwas Schlechtes verstanden werden, denn obschon wir um unsere verstorbenen Ahnen trauern dürfen, ist ein Verständnis für Werden und Vergehen als Kreislauf des Lebens ein ganz natürlicher Vorgang. Der Tod ist kein Ende, er ist Metamorphose und somit vor allem auch Neuanfang – ein Teil dieses Kreislaufs eben. Mutter Natur wiederspiegelt diesen Prozess jedes Jahr von neuem. Es ist die Zeit der Ahnen und tiefen, erdverbundenen Zustände, aber auch die Zeit in der die Schleier zwischen Diesseits und Jenseits gelüftet sind und wir gegenseitig den ein oder anderen Blick in die uns ansonsten eher unbekannte Welt werfen können.

Samhain zeigt uns unsere Schatten, das was wir oft am liebsten nicht anschauen würden – unsere Ängste. Zu Halloween schauen wir in den Spiegel, es ist das Tor zum Jenseits das uns zeigt woran wir arbeiten können. Welches Ängste wir uns anschauen und überwinden sollen. Obwohl Samhain also durchaus gruselig und angsteinflössend sein kann, lehrt und diese Angst sehr vieles über uns selbst. Wenn wir an unseren Inneren Dämonen, unseren Schatten arbeiten, dann können wir daran wachsen und gestärkt aus diesem symbolischen Tod herausgehen, wir können sozusagen neu geboren werden.


BRÄUCHE UND TRADITIONEN ZUM FEST DER AHNEN
Heute kennen wir die ursprünglichen Ahnenfeste vor allem dadurch, dass wir Kürbisse aushöhlen, die wir dann mit einem Licht vors Fenster stellen um den Andersweltwesen den Weg zu weisen, oder womöglich auch dadurch, dass wir die Gräber unserer verstorbenen Verwandten besuchen und eine Kerze anzünden – dieser Brauch des Ahnenlichts ist nichts Neues und wurde schon in Vorchristlicher Zeit auf die eine oder andere Weise in Europa gepflegt.


Es ist aber auch die Zeit im Jahr, in der wir die guten Ahnengengeister zu uns an den Tisch bitten um uns den erwünschten Segen zu bringen, oder wichtige Fragen zu stellen. Aus dem englischsprachigen Bereich kennen wir das sogenannte Dumb Supper - das Stille Mahl. Bei diesem Mahl wird auch für unsere Ahnen ein Teller angerichtet, sie werden eingeladen mit uns zu speisen.
Allerdings sollte sich in Acht nehmen wer sich zur dunklen Stunde draussen herumtreibt, denn die Schadensgeister wiederum sind uns nicht so wohlgesinnt, weshalb es ratsam ist sie auch in Ruhe ihres Weges ziehen zu lassen, so zumindest sagt man.

BRÄUCHE UND TRADITIONEN IN DER SCHWEIZ 

Räbeliechtli, Räbeliechtli,
wo gasch hii?
I de dunkle Nacht,
ohni Schtärneschii,
da mues mis Liechtli sii.
Räbeliechtli, Räbeliechtli,
wo bisch gsii?
Dur d’Strass uuf und s’Gässli ab,
Gäll Liechtli lösch nöd ab.
Räbeliechtli, Räbeliechtli,
wänn gahsch hei?
Wänn de Biiswind blast
und mer s’Liechtli löscht
dann gahn ich wider hei. 

Dieses Lied kennt bei uns jedes Kind. Auch das Wort Halloween ist heutzutage jedem Kind ein Begriff und, wie wir eben erfahren haben, kennt man das Fest in  naturspirituellen Kreisen unter dem Namen Samhain oder Samhuinn, doch wenn ich jetzt nichtsahnend mit dem Begriff Räbeliechtli komme, dann werden wohl die meisten erst mal verdutzt schauen. Auch bei uns in der Schweiz ist ab November Geister- und Ahnenzeit. Den 1. November kennen wir als Allerheiligen, wo man die Gräber der verstorbenen Verwandten besucht und am 11.11. beginnt bei uns die Fasnacht, die dann den ganzen Winter bis zum Aschermittwoch dauert - erst dann werden die Wintergeister wieder zur Rückkehr in die Anderswelt gebeten, in dem man sie mit lauten Geräuschen und schrecklichen Masken vertreibt. Doch zum Thema Fasnacht werde ich euch zur gegebener Zeit noch mehr berichten.

Wer an Halloween denkt, der denkt automatisch auch an die ausgehöhlten Kürbisse. Ein ähnlicher Brauch der Ahnenlichter kennen wir in der Schweiz auch, obschon dieser heute kaum mehr als solcher erkannt wird. Dieser Brauch, der Räbeliechtli genannt wird und aus dem alemannischen Raum stammt, ist dem der Kürbisse sehr ähnlich. In der Schweiz werden allerdings Herbsträben statt der Kürbisse ausgehölt und beleuchtet. Auch die Motive sind keine Gesichter, wie bei den berühmten Jack O'Lanterns, sondern viel eher Sterne, Sonne und Mond. Ganz traditionell folgt dann am Abend der Räbeliechtli Umzug bei dem die Kinder mit ihren verzierten Räben durch die Strassen ziehen und ein wenig Licht in die Dunkle.

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