Dienstag, 5. Dezember 2017

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Die Ursprünge des Samichlaus und Weihnachtsmanns


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Samichlaus du liebe Maa... (Nikolaus du lieber Mann), so beginnt einer der bekanntesten Nikolaus Sprüche bei uns in der Schweiz. Wir kennen viele verschiedene Samichlausbräuche und schon die kleinsten Wissen, wenn’s Glöggli lütet, dann ist der Chlaus nicht weit. Er ist es, der Geschenke uns Segen bringt, sowohl fürs Haus, wie auch für dessen Bewohner und sogar den Tieren ist er wohlgesinnt.

VON SEGENSBRINGERN, GEWEIHTEN NÄCHTEN UND SCHORNSTEINEN
Heute kennt man ihn unter vielen Namen, doch egal ob Samichlaus, Nikolaus, Sinterklaas oder sogar Weihnachtsmann, seine Ursprünge sind dieselben – er symbolisiert  den Geist der Geweihten Nächte. Er ist es, der den Segen bringt und das, wie wir wissen, auf verschiedenste Weise.

Schon zu Zeiten der Germanen, als die Winterzeit noch vom Wüetisheer, dem Wilden Heer beherrscht wurde, waren Geister nicht nur Verbreiter von Angst und Schrecken, es gab ebenso Geister, die Gutes und Segen brachten, sowie Fruchtbarkeit fürs Land und das kommende Jahr. Man glaubte, dass die starken Winterstürme, die gerne auch mal durch den Kamin geblasen haben, diesen Segen ins Haus und zu dessen Bewohnern brachte. Daher rührt übrigens auch der Glaube, dass der Weihnachtsmann durch den Schornstein kommt, der allgemein als Geistereingang es Hauses bekannt war.
 
Was das Bild des Weihnachtsmannes mit dem Rentierschlitten angeht, diesen Brauch haben wir den Skandinaviern zu verdanken. Dort existiert nämlich schon seit alters her eine Gestalt, die mit Rute und Nüssen die Menschen auf die lange Winterzeit vorbereitet. Dieser bärtige alte Mann stellte man sich in einem langen braunen Winterpelz mit Kapuze bekleidet vor, der mit einem Rentierschlitten durchs Land fuhr. Interessant zu erwähnen ist hier vielleicht noch, dass die Ursprünge dieser Gestalt mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den nordischen Gott Odin zurückzuführen ist, was, wenn wir all die Traditionen näher betrachten, durchaus Sinn ergibt.

DER SAMICHLAUS ODER NIKOLAUS
Allerdings kommt der Samichlaus bei uns in der Schweiz nicht durch den Schornstein und auch nicht im Rentierschlitten, sondern mit seinem treuen Helfer, einem süssen Esel, aus dem Tiefen Wald, wo er während des Jahres lebt. Seinen Segen und Seine Geschenke legt er den braven Kindern in den Stiefel, der am Abend vor dem 6. Dezember vor die Tür gehängt wird, während Kinder, die nicht so brav waren leider nur eine Rute vorfinden.

VOM SEGEN VON RUTEN UND DER BESCHERUNG
Witzigerweise hat diese Rute in ihrem Ursprung einen überhaupt nicht negativen Hintergrund, wie wir heute vielleicht vermuten würden, denn die Rute oder das Sinnbild der Rutenschläge bringt Lebensenergie, Fruchtbarkeit und Segen. Ursprünglich wurde eine solche Rute aus Birkenzweigen gefertigt, da die Birke für Lebensenergie steht. Erst im Laufe der Zeit und mit der Christianisierung begann man die alten, heidnischen Glauben zu verteufeln und so wurde die Bedeutung der Rute von etwas anfänglich positivem zu etwas negativem umgedeutet.

Auch dass die Bescherung heute erst um den 24. / 25. Dezember stattfindet, haben wir den Evangelen zu verdanken. Bis zum 16. Jahrhundert wurden diese nämlich vom Samichlaus, also dem Nikolaus am 6. Dezember gebracht und nicht vom Christkind. Da die Evangelen aber bekanntlich nicht so gut auf diesen „Heiligenkram“ zu sprechen waren, musste eine andere Lösung her. Da wurde aus dem Samichlaus als Geschenkebringer, eben mal das Christkind höchst persönlich zum Wohltäter. Heute teilt sich das Christkind den Platz mit dem Weihnachtsmann, der, wie wir jetzt wissen, nichts anderes ist als eine weitere Abwandlung des Samichlaus.

Und auch wenn die christlich geprägte Version des Samichlaus heute gerne mit Bischofsmütze und Krummstab dargestellt und ausschliesslich mit dem heiligen Nikolaus von Myra in Verbindung gebracht wird, ist die Figur des Samichlaus in Wahrheit aus vielen verschiedenen und durchaus auch vorchristlich, sprich, heidnischen Elementen entstanden.

All dies zeigt wie sehr sich der einfache christliche Volksglaube mit den ursprünglichen, noch älteren Festen Europas vermischt hat und somit zeigt es für mich auch, dass das eine das andere nicht zwingend ausschliesst, sondern sehr schön miteinander harmonisieren kann. Egal ob Wuotis (Odin), Samichlaus, Weihnachtsmann oder Christkind, alle verkörpern diese eine Gestalt, die uns Gutes will. Weshalb also seinen Segen nicht einfach dankbar annehmen, wenn wir ihm begegnen?

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